Eine Frau in Berlin
Eine Frau in Berlin von Anonyma, Tagebuchaufzeichnungen vom 20. April bis 22. Juni 1945
Als die rote Armee in Berlin einmarschiert beginnt A. damit, ein Tagebuch zu führen. Tagebuch ist etwas übertrieben, sie nimmt sich
Zettel und schreibt wild drauf los. Schonungslos berichtet sie von Plünderung und Vergewaltigung. Die Suche nach Essbarem und tägliches
Schlange stehen an der Wasserpumpe sind normal, wenn man das Wort in dieser Zeit überhaupt nutzen kann. Mit etwas russisch kann A. sich
gut verständigen, sie hat nicht umsonst gute Schulen besucht und ist in besseren Zeiten viel gereist. Nach den ersten Vergewaltigungen sucht
sich A. einen Anführer, es ist besser man wird nur von einem Mann vergewaltigt als von vielen und mit einem höheren der Armee ist auch immer
Nahrung und manchmal sogar Schnaps im Haus. Aus dem Keller zieht sie in die 1. Etage und teilt sich die Wohnung mit einer Witwe und einem
Herrn Pauli, der sie jedoch lieber von hinten sieht( besonders zur Zeit als die Russen weg und A. nichts mehr zu essen besorgen kann).
Die Frauen damals werden, wenn sie nicht zugrunde gehen, hart und schwarzhumorig. Als ihr Gerd aus dem Krieg zurückkommt ist nichts mehr
so wie es war. Er kommt mit der harten Art von A. nicht mehr zurrecht. Alles hat sich geändert, wie sollte es auch anders sein. Er war
ja nicht dabei, wie sollte er das auch verstehen. Gewalt, Ekel, Hunger, Angst, Gier nach Leben.
Dieses Buch ist bereits 1959 erschienen, und im Mai 2003 wurde es neu aufgelegt. Der Inhalt ist die Wahrheit, man liest es im Nachwort.
Das Buch entstand aus Tagebuch mit Zetteln, aus hingekritzelten Szenen und der brutalen Realität. Die Autorin hat alles niedergeschrieben,
ich denke schonungslos und selbst ohne Details ist die Gewalt zu spüren. Die letzten Bomben fallen, man denkt es ist vorbei
und damit beginnt die nächste Grausamkeit. A. jedoch kämpft sich wie viele Frauen damals durch. Erträgt die Erniedrigungen,
die Schändungen und fängt an ihr neues Leben aufzubauen. Hunger, wer kennt heutzutage noch Hunger? Wer kann sich vorstellen sich wochenlang
nur dürftig zu waschen oder Brennesseln zu sammeln damit man was zu essen hat? Sicherlich niemand. Das Buch macht nachdenklich, geht es
uns doch heute so gut. Ich persönlich bin dankbar das ich noch keinen Krieg miterlebt habe und darum empfehle ich das Buch auch gerne
weiter, wenn man sich für Schicksale, die Zeit nach dem Krieg und den Aufbau unseres Landes interessiert. Bin froh das ich es gelesen habe,
fand es irre interessant, eines der richtig guten Bücher für mich. Krieg ist irgendwo ja immer, dazu ein passendes Zitat aus dem Buch:
"Die Summe der Tränen bleibt konstant." Ganz gleich, unter welchen Fahnen und Formeln die Völker leben; ganz gleich welchen Göttern sie
anhängen und welchen Reallohn sie beziehen: die Summe der Tränen, der Schmerzen und Ängste, mit denen ein jeder für sein Dasein zahlt,
bleibt konstant. Satte Völker suhlen sich in Neurosen und Überdruß. Den im Übermaß Gequälten kommt, wie jetzt uns, Stumpfheit zu Hilfe.
Sonst müßte ich ja von früh bis in die Nacht weinen.
Ich bin sehr dankbar über die Aufzeichnungen von Anonyma. Meine liebe Tante Dodo wollte dieses Buch noch lesen. Ich habe das jetzt für
dich getan und sehr oft an dich gedacht.
Mein Büchlein erschien im btb-verlag unter ISBN: 9783442737949