Wir Kinder vom Bahnhof Zoo
Als Christiane 6 Jahre alt ist, wollen ihre Eltern sich selbständig machen und ziehen vom Land nach Berlin West.
Leider funktioniert die Selbständigkeit nicht, sie müssen nach Gropiusstadt in eine kleine billige Wohnung umziehen.
Der Vater trinkt nur noch und wird aggressiv. Er verprügelt die Mutter und die Kinder auf übelste. Es dauert eine
Zeit bis die Mutter die Scheidung einreicht. Allein auf sich gestellt möchte sie ihren Kindern ein schönes Leben
ermöglichen und arbeitet sehr viel. Ihre jüngste Tochter zieht zum Vater und Christiane hat ihren Freiraum.
Sie geht in ein evangelisches Jugendheim und hat dort erste Erfahrungen mit Haschisch. Nicht viel später verbringt
sie Abende im Sound, einer angesagten Discothek. Da sie erst 13 ist, schminkt sie sich halt auf 16. In der Disco
sind viele Junkies, Heroin ist dort an der Tagesordnung, aber Christiane bleibt anfangs noch standhaft und nimmt lediglich
ein paar Tabletten. Sie lernt Detlef kennen, ihre erste große Liebe und träumt von einer schönen Zukunft.
Es dauert nicht lange ehe sie damit anfängt H zu sniefen und später möchte sie erfahren wie es ist sich H zu drücken.
Ihr Freund ist schon abhängig und bei ihr dauert es auch nicht lange. Ihre Mutter ahnt 2 Jahre lang nichts von ihrem
Doppelleben, sie läßt ihr mehr Freiheit als ihr gut tut.
Dazu sagte Christiane anfangs:" Ich fühlte mich wie in einer tollen neuen Familie. Ich sagte nicht viel, aber ich hatte
das Gefühl, über alles reden zu können. Das H machte uns zu Geschwistern. Wir waren alle gleich.... nach den miesen Wochen
vorher meinte ich nun, noch nie so glücklich gewesen zu sein." Das Gefühl hielt jedoch nicht lange.
Immer mehr Geld benötigt Christiane. Anfangs schafft Detlef für sie noch mit an, später erledigt sie das selbst.
Sie ist im Teufelskreis der Drogen gefangen. Nach vielen Entzügen und Rückfällen wird sie von ihrer Mutter nach
Westdeutschland geschickt um dort bei Verwandten clean zu werden. Das funktioniert auch soweit, jedoch eilt ihr die
Polizeiakte vorraus und sie kann auch dort nicht wirklich neu anfangen.
Das Buch ist so ehrlich und dramatisch geschrieben das ich es kaum weglegen mochte. Bereits das Vorwort hat es in sich.
Dies geht dann ausnahmsweise mal nicht auf die Drogenabhängigen los, sondern auf die Eltern, die Lehrer und die Beamten
die die Junkies "verwalten." Ohne Hilfe kommen die Jungen und Mädchen niemals von dem Zeug los. Das zeigt das ganze Buch
in seiner grausamen Realität und Offenheit. Erschüttert hat mich vor allem der Tod der jungen Babsi. Mit 14 war sie damals
Berlins jüngste Drogentote. Ebenfalls unglaublich der angebliche Entzug in der Scientologie Sekte, der verdammt viel Geld
kostet und ihnen letztendlich nur eine Gehirnwäsche verpasst. Auch dort wird sie fallen gelassen.
Ich war sehr froh als ihre Mutter endlich peilt, das Christiane drogenabhängig ist. Leider ohne großen Erfolg, was ich ihr
allerdings bis zum Ende nicht vorwerfen konnte. Sie hat sicher das getan was in ihren Augen richtig war. Und gegen Heroin
kommt scheinbar niemand an, auch nicht die große Liebe. Ich habe mich schon bei dem Tablettenmißbrauch gewundert was ein
kleiner Kinderkörper aushalten kann. Das hat mich sehr erschüttert.
Es kommen neben Christiane auch ihre Mutter, der Kreisjugendpfarrer, ein Kriminaloberrat und eine Sachbearbeiterin im
Kriminalrauschgibtdezernat zu Wort.
Als Teenager habe ich das Buch schonmal gelesen und ich erinnerte mich jetzt daran, das ich es damals auch nicht weglegen konnte.
Das ging mir jetzt beim 2. Lesen ebenso. Ich war wie gefesselt und sehr froh, das Christiane es letztendlich geschafft hat.
Gerne hätte ich jedoch noch gewußt was mit Detlef passiert ist. Niemandem wünsche ich so eine Kindheit, die keine ist.
Der Film ist gut, aber viel zu kurz um alles zu erläutern, das Buch ist Wahnsinn!
Stern Buch im Verlag Gruner + Jahr AG unter ISBN: 9783570023914