Die verlorene Ehre der Katharina Blum
Die verlorene Ehre der Katharina Blum ist ein deutscher Film aus dem Jahr 1974
Bevor ich die Verfilmung sah, habe ich aus Anlass des 100. Geburtstages von Heinrich Böll im Jahr 2017 die Erzählung
„Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ oder: „Wie Gewalt entstehen und wohin sie führen kann“ gelesen.
Die Erzählung sorgte bei ihrem Erscheinen im Jahr 1974 für eine heftige Auseinandersetzung um die Methoden des Boulevardjournalismus.
Die Folge der Hetze und der Verletzung der Intimität durch die Presse steht am Anfang der Erzählung:
Katharina Blum hat den Journalisten erschossen, und ein ebenfalls beteiligter Pressefotograf ist von einer unerkannten Frau erschossen worden.
Damit ist der schockierende Akzent gesetzt, der nach Interpretation und Aufklärung verlangt.
Der von Volker Schlöndorff und Margarethe von Trotta inszenierte Film stellt die Tötung des Journalisten allerdings an sein Ende:
Die Hauswirtschafterin Katharina Blum, die nebenbei bei Empfängen und Festlichkeiten von wohlhabenden Leuten jobbt
und sich davon eine Appartementwohnung und einen Volkswagen leisten kann, gerät zufällig in den Mittelpunkt der Sensationsmache
und Polithetze einer großen Boulevardzeitung. Namentlich wird diese nicht benannt, wobei jeder weiß, um welches Boulevardblatt es sich handelt.
Bei einer Karnevalsparty verliebt sie sich in einen jungen Mann, der von der Polizei als radikaler Rechtsbrecher gesucht
und allgemein »Bandit« genannt wird. Von da an ist ihr ein Sensationsjournalist auf den Fersen, der ihr Privatleben durchleuchtet und öffentlich macht.
Letztlich weiß Katharina sich nicht mehr anders zu helfen, als mit roher Gewalt zu reagieren und so für sich das erlittene Unrecht zu beenden.
Kurz: Aus einer Frau von nebenan wird durch pressegesteuerte Anfeindungen eine Mörderin.
Der Film hat mir wirklich gefallen. Vor allem auch deshalb, weil sehr viele bekannte und hochkarätige Schauspielerinnen
und Schauspieler sehr gut in Szene gesetzt werden. Einige Szenen sind bewusst übertrieben und provozierend, allerdings ist
es offenbar auch so nötig gewesen, damit klar zum Ausdruck kommt, wie die Presse, aber auch der staatliche Apparat,
eine unschuldige Frau in eine für sie ausweglose Enge getrieben haben. Außerdem darf man nicht vergessen,
dass im Zuge der damaligen Verfolgung von Terroristen der RAF ähnlich brutal und schonungslos vorgegangen wurde.
Es war eine wilde Zeit für die Innere Sicherheit der Bundesrepublik.
Generell ist dieser Film empfehlenswert für Interessierte der bundesdeutschen Geschichte der siebziger Jahre,
aber auch für unsere Jugendlichen als Mahnung, zum einen das hohe Gut der Pressefreiheit zu bewahren,
aber andererseits auch die Methoden genau und skeptisch zu betrachten, um eventuelle Opfer zu schützen.
Frei nach dem Motto: Glaub’ nicht alles, was in der Zeitung steht……….
Text: Sascha Drewitz
Regie führten hier Volker Schlöndorff und Margarethe von Trotta, der Film dauert 106 Minuten und ist FSK 16 Jahre.
Darsteller:
Katharina Blum - Angela Winkler
Kommissar Beizmenne - Mario Adorf
Werner Tötges - Dieter Laser
Ludwig Götten - Jürgen Prochnow
Dr. Blorna - Heinz Bennent
Trude Blorna - Hannelore Hoger
Staatsanwalt Hach - Rolf Becker
Staatsanwalt Korten - Horatius Haeberle
Moeding - Harald Kuhlmann
Scheich - Henry van Lyck
Weninger - Herbert Fux
Else Woltersheim - Regine Lutz
Konrad Beiters - Werner Eichhorn
Fotograf Schönner - Leo Weisse

Gedreht wurde unter anderem in Bonn im Landesbehördenhaus, in Bad Godesberg und in Köln Sülz, Unicenter.
Das ist noch gut zu erkennen. Lediglich ein Parkplatz ist jetzt davor.

Sogar die Plakatwände sind heute noch an Ort und Stelle.