Die vergessene Generation, Sabine Bode
Sabine Bode interviewt über Jahre Kriegskinder, Kinder die zwischen 1930 und 1945 geboren wurden. Ebenfalls die Kinder der Kriegskinder.
Es ist in den meisten Familien das selbe Schema, wir haben es überlebt, es war halt so und schweigen.
Trauern oder bedauern gab es nicht. Viele haben ihre Angehörigen verloren, haben Zerstörung und Bombenhagel miterlebt und Hunger und Kälte
war an der Tagesordnung. Die Kälte des Krieges spiegelt sich sehr oft in der Gefühlskälte der späteren Eltern wieder.
Dabei wird unterschieden zwischen Familien die auseinanderfielen und solchen die verschweigen und unter den Teppich kehren.
Nur wenige Familien hatten den Mut über ihre Vergangenheit zu reden. Wirklich zu reden und auch mal zu weinen und zu verarbeiten.
Bei den meisten, so wird im Buch beschrieben, wird gar nichts erzählt oder es wird ins lustige gezogen. Eventuell erzählt man auch nur
die wenigen schönen Dinge die man erlebt hat, nicht aber die Schrecken der Kriegszeit, denn diese sollen schön unten bleiben.
Ein schönes Beispiel einer heilen Familie ist im Buch verzeichnet. Die Eltern, schon alt, bekommen täglich Besuch von ihren 3 Kindern.
Nicht nur mal eben vorbei gehen, sondern lange und ausgedehnt Kaffee trinken und reden.
Der Vater ist schwer krank, die Mutter nah am Wasser gebaut, also wird nur übers Wetter oder über das Essen geredet.
Bei den Unterhaltungen mit den Kindern zeigt sich aber ein anderes Bild. Die Kinder fühlen sich als Versager weil sie nie etwas geschafft haben.
Die Mutter aber redet von ihrer heilen Familie, für sie sind immer die anderen Schuld, nicht jedoch ihre Kinder.
Die Kriegskinder sollten lange schweigen, es gab wichtigeres. Man hat ja überlebt und viele sehen das heute noch so.
Ich kam zu diesem Buch weil es bei meiner leider verstorbenen Lieblingstante noch verpackt im Regal lag.
Sie selbst sagte bei einem unserer letzten Treffen:"Wir waren keine Flüchtlinge, wir wurden vertrieben! Ich wäre viel lieber in meiner
Heimat geblieben." Ebenso denke ich sehr oft an einen Satz: "Meine Eltern haben mich mit 14 weggeschickt, ich sollte arbeiten und Geld
verdienen - und das war auch gut so." Der letzte Satz und das war auch gut so war wohl ein Standartsatz in diesen Zeiten.
Ganz sicher hat meine Tante ihr Leben gemeistert, aber innerlich war sie glaube ich sehr einsam. Trotz Geschwister, das Verhältnis war
nie so gut. Die Schwestern konnten sich nie mit ihrer eigenen Art, die ich so liebte, auseinandersetzen. Das ist aber nur meine Meinung.
Während die älteste Schwester immer nur von den Russen sprach, die mit ihr tanzen wollten ( schöne Zeit), warf mein Vater, der nie viel
über den Krieg geredet hat einmal ein: Es war nicht immer alles schön. Was den Familienkreis dann sprengte. (Danke Papa.)
Jetzt bin ich ein wenig zu weit in unsere Familie reingeschlittert, aber das passiert bei dem Buch ganz flott.
Ich danke Sabine Bode für dieses Buch, es erklärt die sehr oft eiskalte Stimmung bei uns zu Hause, die sich erst legte,
als die Kinder aus dem Haus waren. Bis heute reichen jedoch die Spuren von damals ins Leben rein.
Ich empfehle das Buch gerade meiner Generation, die jetzt 40 - 50 jährigen, ich denke ihr versteht eure Eltern dann ein wenig besser.
Mir hat es ein wenig, na sagen wir "ein wenig viel" auf die Sprünge geholfen. Vielen Dank! Verhalten vererbt sich!
Erschienen bei Klett Cotta unter ISBN: 9783608947977