Ein Glückskind, Thomas Buergenthal
Thomas Bürgenthal wurde im Mai 1934 in Lubochna, Tschechoslowakai geboren.
Jedes Aufsuchen eines sicheren Ortes war vergebens und so wurde die Familie nachdem sie Station in Kattowitz gemacht hat, in das Ghetto
nach Kielce umgesiedelt. Von dort aus ging es irgendwann weiter nach Auschwitz wo sie getrennt wurden. Die Mutter kam in ein Frauenlager,
der Vater nach Birkenau, später nach Buchenwald und Thomas blieb vorerst in Auschwitz. Mit List und Tücke, die er sich erarbeitet hat,
blieb dieser kleine Junge am Leben. Er meldete sich immer, das er arbeiten kann, auch wenn er noch so jung war. So wurde er als Bote
eingesetzt, in einer Gruppe ging er meistens in der Mitte, so das er nicht gut gesehen wurde. Er konnte sich verstecken und kämpfte
sich alleine durch, fast alleine, denn er fand überall ein paar Freunde. Die furchtbaren Gräueltaten dieser Zeit sind zwar auch in diesem
Buch ein Thema, trotz allem erzählt es die Geschichte eines kleinen Jungen der, wie er es selbst nennt, einfach Glück gehabt hat.
Nach dem Krieg kommt er in ein jüdisches Waisenhaus in Polen. Trotzdem ist er immer überzeugt das seine Eltern ihn finden und abholen.
Wie der Zufall es will, sieht seine Mutter, die mittlerweile wieder in Göttigen, ihrer Heimatstadt lebt in einer Zeitung ein Foto mit einem
englischen Soldaten und einem Kind, das ihrem Thomas so ähnlich sah, das sie glaubte er wäre es. Sie zog alle Register um ihn zu finden.
Leider ging die Suche in die falsche Richtung und das Kind war nicht ihr Sohn, aber es gab ihr Zuversicht das er noch lebte. Der kleine
Thomas hatte sich mittlerweile für ein Kibuz in Palästina entschieden, er sollte aus dem Heim ausgeschmuggelt werden. So stand sein Name
auf einer anderen Liste. Das sich diese beiden Listen, die der Suche nach dem Sohn Buergenthal und die mit der Bitte um Einreise nach
Palästina kreuzten, ist nun wirklich mehr als Glück.
Das Buch hat natürlich den Schrecken der Zeit, die Verbrechen an den Juden, Homosexuellen, Sinti und Roma und den Behinderten in sich,
aber es zeigt am Ende keinerlei Hass gegen die Deutschen an sich. Beruflich wurde er Jurist und es zog ihn zum Völker und Menschenrecht
hin. Zitat: Vor langer Zeit schon kam ich zu dem Schluss, dass der Weg zu einer Welt, in der Menschen in Frieden und in Würde zusammenleben
können, lang ist und man dennoch Schritt für Schritt darauf hinarbeiten muß, ohne durch Fehlschläge als Zyniker zu enden.
Thomas Buergenthal wanderte in den 50ern nach Amerika aus, seine Mutter heiratete noch 2 x, sein Vater starb im Januar 1945 im KZ Buchenwald.
Er schrieb dieses Buch viele Jahre später, ohne Hass und Zorn mit dem Wunsch, das es irgenwann einmal eine demokratische Welt geben möge.
Es hat mir sehr gut gefallen, interessiere ich mich doch sehr für den Teil der deutschen Geschichte und ebenfalls für Biographien.
Erschienen bei Fischer unter ISBN: 9783596032341