Frei heraus, mein Leben, Inge Meysel
Die Autobiographie von Inge Meysel beginnt im Jahre 1910. Da wurde sie geboren und sollte eigentlich Johnny heißen.
Vater und Mutter hatten sich auf einen Sohn eingestellt. Trotz der Klassenunterschiede der Eltern sind sie zusammen geblieben.
Damals war es wohl noch so, das Geld zu Geld kam und sich nicht mit den unteren Klassenschichten beschäftigte.
Mit 5 Jahren war sie zum ersten mal im Theater und sprang so schnell an den Rand der Bühne um "mitzumachen", das sie niemand
halten konnte. Es gab kein Halten mehr, sie spielte daheim vor jedem Besuch und nervte die Leute ganz schön. Es war klar,
das Kind muß zum Theater. Und genau so geschah es, natürlich erst später. Der erste Weltkrieg kam, Vater mußte an die Front.
Er kam zurück, hatte aber nur noch einen Arm. Der zweite Weltkrieg kam, und die Meysels hatten mehr als Glück. Inge als Halbjüdin,
der Vater war Jude und wurde nach und nach enteignet. Das sie alle überlebten, hatten sie guten Freunden zu verdanken.
Und manchmal hilft auch der Zufall. Hatte Frau Meysel schon viele Theatererfahrungen, spielen durfte sie unter der Naziherrschaft nicht mehr.
Von ihrem ersten Mann wurde sie geschieden, sie hatte sich neu verliebt und heiratete ein zweites mal. John Olden wurde ihr zweiter,
leider viel zu früh verstorbener Mann. Von ihrem ersten Mann trennte sie sich in Freundschaft.
Das Buch bekam ich durch einen Zufall. Da ich Inge Meysel immer gerne gesehen habe, habe ich es erstmal auf meinen SUB gelegt.
Jetzt war der richtige Zeitpunkt es zu lesen. Es enthält die Lebensgeschichte von 1910 bis 1991, viele Fotos von Theaterauftritten,
einige auch von Fernsehaufnahmen und kleine witzige oder auch traurige Anekdoten am Rande. Inge Meysel stand immer hinter ihrer politischen
Auffassung. Ihre Meinung sagte sie immer frei heraus, sie war mal oben mal unten mit ihren Gefühlen. Typisch Zwilling, sagte sie selber
und ich kann da natürlich zustimmen. Ein wunderschönes Buch, jetzt weiß ich nicht warum ich es nicht früher gelesen habe.
Positiv, freundlich, ehrlich, einfach Inge Meysel, die Mutter der Nation. Jetzt habe ich mir noch einen Roman besorgt, den sie empfohlen hat,
und noch weitere Serien notiert in denen sie mitwirkte. Darauf freue ich mich jetzt schon sehr. Ja, ich oute mich als Inge Meysel Fan, mehr noch
ich liebe Inge Meysel Serien und Filme. Ihre Gestik und Mimik, ihr Augenaufschlag war einmalig.
Das Buch erschien unter Beltz Quadriga, 1991 unter ISBN: 3886791955