Niemand trocknete meine Tränen, Emma La Spina
Ein Mädchen wird in Italien gleich nach der Geburt von der Mutter ausgesetzt. Sie bekommt den Namen Emma und lebt ab sofort in einem Kinderheim wo strenge
katholische Nonnen die Erziehung übernehmen, wenn man es Erziehung nennen darf. Prügel, Hunger, Bestrafung für die kleinsten Regelverstöße sind an der
Tagesordnung und die Kinder lernen flott, das sie ganz allein auf sich gestellt sind. Freundschaften gibt es kaum in der kalten Athmosphäre.
Durch Zufall erfährt Emma das Clotilde, ebenfalls im Heim, ihre große Schwester ist, die jedoch mit ihr nichts zu tun haben will. Clotilde ist das Gegenteil
von Emma. Sie ist hübsch, beliebt und wird ständig umringt von anderen Mädchen. Nur Emma soll sich fernhalten. Die "Mutter" besucht beide Kinder im Heim und
fühlt sich gezwungen sie ab und an abzuholen. Aber auch das hört schnell wieder auf. Als die Schule beginnt freut Emma sich sehr, allerdings wird sie aufgrund
ihrer Herkunft und ihres armen Erscheinungsbildes sofort ausgegrenzt. Der Traum von Freiheit ist schnell ausgeträumt, die Jahre ziehen sich und als das Mädchen
18 Jahre alt wird, wird sie sofort auf die Straße gesetzt. Ohne zu wissen wohin, alleine auf sich gestellt, ohne Führung weiß sie nur einen Ausweg.
Einen alten Bekannten ruft sie an und wird vorerst dort unterkommen. Allerdings wohnt er noch bei seinen Eltern die von Anfang an gegen diese Freundschaft sind.
Trotzdem heiraten die beiden, aber das Eheleben ist nicht von langer Dauer. Emma wurde all die Jahre zur Arbeit außerhalb des Heimes verdonnert und dort schon
sexuell genötigt, das geht einfach so weiter. Ihr Mann ist unsensibel und geizig, ihr Chef stellt ihr nach und wird immer brutaler. Die einzige große Liebe
darf sie nicht mehr sehen. Schwanger von Bossi, ihrem Peiniger beschließt sie trotz der Gewalt mit ihm zusammen zu leben. Als sie verschwindet macht er sie
ausfindig und haut mit ihr ab. 2 Kinder bekommt sie von ihm und ist seinen ständigen Gewaltausbrüchen ausgeliefert. Auch ihre Kinder bleiben nicht verschont.
Irgendwann beschließt sie zu fliehen und bekommt noch 2 Kinder mit einem anderen Mann. Zuerst war er freundlich und großzügig, nach der Hochzeit ändert sich
aber auch sein Verhalten. Als sie endlich die Kraft hat sich auch von ihm zu trennen, sind die Kinder schon groß und entfernen sich nach und nach von ihrer
Mutter, nicht ohne zu Fragen, warum hast du mich nicht beschützt?
Manche Entscheidungen der Emma konnte ich nicht so ganz nachvollziehen, aber mit ihren Erfahrungen und dem mangelnden Selbstvertrauen reagiert man sicher anders
als Menschen mit normaler Erziehung. Das Buch hat mich schon mitgenommen, auf der anderen Seite war ich am Schluß auch ein wenig stolz auf Emma, was sie geschafft
und das sie sich einfach mal gewehrt hat. Wenn es auch lange gedauert hat, sie hat immer versucht ihre Kinder zu beschützen. Leider hat es nicht so geklappt wie
sie es gerne wollte. Aus einer dunklen Kindheit, einer brutalen Beziehung bis hin in ein relativ normales Leben.
Nach und nach findet Emma auch noch andere Geschwister die immer mal wieder eine Rolle spielen.
Gut, das war wie immer kurz und knapp, es ist ein tolles Buch, ich lese solche Bücher ja immer wieder gerne und fühle da auch schnell mit. Ich war mit Emma
traurig, entsetzt und auch glücklich, wenn letzteres auch immer nur von kurzer Dauer war. Wer gerne Bücher aus der Reihe Erfahrungen liest, hier ist ein tolles!
Erschienen bei luebbe unter ISBN: 9783404609765