Schau heimwärts, Engel! Thomas Wolfe
Schau heimwärts Engel ist eine alte Familiengeschichte aus Amerika. Sie erzählt von Eugen Gant, seinen Eltern und Geschwistern.
Eugen wird in eine Welt hineingeboren, in der er sich sichtlich nicht wohl fühlt. Er ist anders, aber eigentlich ist seine ganze
Familie anders. Sein Vater ist schwerst Alkoholiker, seine Mutter denkt nur ans Geld. Ein Bruder stirbt sehr früh und Eugen will
nur eins, er will weg! Ein sehr intelligenter Junge ist er, etwas schwermütig, neugierig als er pubertiert.
Frauen interessieren ihn sehr und er will, genau wie sein älterer Bruder Ben weg von dieser Erde!
Zuerst geht er aber mal von zu Hause weg, von seinem polternden Vater und seiner unterkühlten Mutter, deren Gejammer er nicht mehr
hören kann. Er darf auf eine Privatschule gehen und wird später studieren, aber nie ohne sich anzuhören, was nicht alles getan wird,
damit er es gut hat. Er ist es so leid! Trotzdem zieht es ihn immer wieder nach Hause, ist die Familie auch grausam und furchtbar,
sie halten zusammen. Der Vater Gant wird schwer krank, er bekommt Prostatakrebs und der Krebs wuchert in seinem ganzen Körper.
Die Mutter ist ganz die kalte, er stelle sich an. Selbst als Eugens Bruder Ben an einer Lungenentzündung erkrankt ist sie, die vor
Gesundheit strotzt in ihren Augen wesentlich schlimmer dran. Ben schafft es nicht, die Krankheit ist stärker und er will nicht mehr leben.
Dachten alle der Vater ginge bald von Ihnen, so ging Ben den Weg vorraus.
Der Bruder Steve geht seinem Vater nach, er trinkt und das nicht wenig. Er heiratet aber gut und ist versorgt und dementsprechend
großkotzig. Helene ist die einzige der Familie die Vater Gant, wenn er mal wieder volltrunken rumtobt, zur Ruhe bringen kann.
Resolut und trotzdem voller Liebe. Auch sie heiratet später, kommt aber von den Eltern nie ganz los. Schließlich wird sie hysterisch
und Depressiv. Eugen aber, geht hinaus in die Welt und entdeckt, das hinter dem nächsten Hügel vielleicht nicht der Tod, sondern
das Leben wartet.
Das Buch ( ich habe die Taschenbuchfassung von 1961 gelesen), war schon etwas schwer zu lesen. Die alte Sprache, die sehr geblümte
Art des Schreibens, ließen mich manchen Satz zweimal durchgehen. Zu Anfang wußte ich nicht so recht wohin das Buch führt, bzw über
wen jetzt gerade mal wieder geschrieben wurde. Aber das wurde später dann klarer. Eine Schreibweise die ich so noch nie gelesen habe,
weit ausholend, erklärend und in manch zähen langen Sätzen, aber sehr schön! Eine schöne Sprache, eine bildliche Sprache, eine traurige
Familiengeschichte von harten Eltern und verlorenen Kindern. So bemerkte Eliza, die Mutter nebenher:"Jaja, der Alkohol hat mehr Heime
zerstört als irgend sonst ein Fluch. " Der Satz galt ihrem Sohn Steve. Danach ging sie ihre gewohnten Arbeit nach.
Eugen hielt sich fern vom Alkohol, bis zu einem Weihnachtsfest, wo er sich derbe betrank mit dem Gedanken: Warum, wenn es möglich war,
sich einen Gott in der Flasche zu kaufen, ihn zu trinken und dadurch selber ein Gott zu werden, waren die Menschen nicht immer betrunken?
Er fand es herrlich betrunken zu sein, aber es blieb bei diesem einen mal.
Eine Familie, die man sich nicht unbedingt wünscht, aber wer kann schon bestimmen wo er hineingeboren wird. Der Untertitel gefiel mir
sehr gut: Eine Geschichte vom begrabenen Leben. Das paßt unheimlich gut. Die ungelebte Leidenschaft, die traurige Verfassung von Eugen
haben mir schon ein wenig zugesetzt. Zu Anfang dachte ich er wäre Autist, aber das drehte sich dann.
Tja, ob ich das Buch so verstanden habe, wie der Autor es damals gemeint hat, weiß ich natürlich nicht. Thomas Wolfe verstarb sehr früh
und ich könnte mir vorstellen das auch er ein schwieriger Mensch war, aber das sind nur Spekulationen meinerseits.
Mein uraltes Taschenbuch erschien bei rowohlt und fällt jetzt, fast 60 Jahre nach erscheinen bald auseinander.
In den neuen Fassungen soll es leichter zu lesen sein, aber ich wollte gerne die alte Fassung lesen.
Ich denke das Buch ist etwas für sentimentale Menschen die die geblümte, ausgeschmückte Art des Lesens mögen. Es war nicht einfach,
aber ich mag es sehr gerne. Und es riecht so schön alt... kennt ihr den Geruch alter Bücher?