Schulzes Anna, Heinz Lothar Worm
Lange vor dem ersten Weltkrieg kommt Anna zur Welt, ein Mädchen das in armen Verhältnissen groß wird.
Ihre Mutter bringt die beiden irgendwie durch. Ein kleines Häuschen, ein bißchen Feld, eine Kuh und ab und an ein Schwein,
das ist alles was die beiden haben. Sie arbeitet als Tagelöhnerin, der Vater ist früh gestorben. Auch er war Tagelöhner,
das sind die ärmsten, ohne großen Besitz die für die Bauern arbeiten müssen um durchs Leben zu kommen.
Eigentlich ist Anna der Mutter im Weg, darum freut sie sich als der Dorfschulze ihre Anna als Magd ausbilden will.
Zwar hat Anna Angst, da er sie so komisch ansieht, aber sie will lernen und später ihr Leben meistern. Ihre Mutter ist froh
das sie das Kind los ist und Anna erhält eine Truhe in der sie ihr Geld und ihre Aussteuer sammeln will.
Der Schulze bringt Anna in ihre Kammer. Des Nachts besucht er sie und das Kind muß ihm und seinen Söhnen dienen.
In jeder Form. Geschockt von dem Missbrauch rennt Anna morgens früh wieder zur Mutter, die sie aber nicht mehr ins Haus läßt.
Betrübt muß sie zurück zum Schulze, sie lernt was sie lernen kann, ist fleißig und schmeißt mit Lisa den Haushalt und den Hof.
Leider kommt der Vater und auch die Söhne des Nachts immer mal wieder aber sie kann sich ja nicht wehren. Wo sollte sie hin?
Der älteste Sohn gibt ihr immer ein Silberstück, was solls, denkt Anna, er würde sich eh nehmen was er will und sie behält
das Geld. Das er dies von seinem Vater gestohlen hat, weiß sie natürlich nicht. Dieser kommt dahinter und schmeißt Anna raus.
Ihre Mutter nimmt sich das Leben und Anna wird beschimpft und beleidigt. Das sie nichts dafür kann, und auch noch schwanger ist,
interessiert niemanden. Aber Anna wird trotzig, zieht in das Haus der Mutter und bringt sich und ihre kleine Tochter durchs Leben.
Sie ist clever und verkauft ihre Sachen in der Großstadt auf dem Markt. Der Dorfschulze stirbt und irgendwann wird der Sohn mit
seiner Schuld nicht mehr fertig und gesteht im Dorf, das er es war, der das Geld des Vaters genommen hat.
Anna ist im Dorf jetzt wieder angesehen und heiratet den Mann ihrer leider verstorbenen Freundin. Die Kinder und ihres zieht sie groß
und die ehemalige Haushälterin Lisa, mit der sie immer gut zusammen gearbeitet hat, zieht zu der Familie.
Das Buch wurde aus Dokumenten und schriftlichen Berichten zusammen gestellt und ist ein Zeitzeugnis. Toll geschrieben, harte Arbeit
war früher an der Tagesordnung. Die Frauen mußten gehorchen und zur Verfügung stehen, heute undenkbar. Gott sei Dank!
Unheimlich toll finde ich beschrieben wie Anna sich alleine durchs Leben kämpft, entgegen aller Demütigungen und Anfeindungen.
Ich mochte das Buch gar nicht mehr weglegen und werde mir jetzt Teil 2 besorgen. Da geht es um Annas Kinder.
Erschienen bei Brunnen Verlag unter ISBN: 3765515922