Und ich musste bleiben von Svenja Wagner
Svenja ist gerade erst 12 als ihre Mutter sich das Leben nimmt. Sie ist durch die Prügel ihres Mannes in eine tiefe
Depression gerutscht und weiß keinen anderen Ausweg mehr. Von diesem Zeitpunkt an geht für Svenja das Martyrium der
Gewalt und des Missbrauchs los. Erst wird sie vom Pflegeonkel "Dieter" begrapscht, getreten, geprügelt - später muß
sie zurück zum Vater, der noch nie etwas gutes für sie übrig hatte. Dort wohnt mittlerweile eine neue Frau mit ihren
Kindern, die Svenja ebenfalls nötigt, demütigt und benachteiligt. Vom Vater ständig verprügelt zieht sie bei Bekannten ein,
der Mann nimmt sie als Fernfahrer mit und vergewaltigt sie. Niemand hört ihr zu, niemand gibt ihr Recht, jeder behauptet,
sie wollte das alles so. Letzter Ausweg Jugendamt, aber auch dort hat sie keine Chance. Schon in früheren Zeiten haben
diese Menschen auch nur weggesehen. Als sie keinen Ausweg mehr weiß haut sie einfach ab, sie taucht unter bei einem Bekannten.
Dieser ist nicht begeistert, hilft ihr aber trotzdem immer mal weiter. In der Zeit zwischen dem 12 und fast 18 Lebensjahr geht
Svenja durch die Hölle. Warum hört niemand hin, warum sieht niemand hin? Die Spuren der Gewalt waren überall und für jeden der
es wollte auch sichtbar? In vielen anderen Büchern trauen sich die Kinder nicht irgendetwas zu sagen, das ist hier anderes.
Aber niemand bietet ihr wirklich Hilfe an. Endlich 18, endlich alleine. Ein kleines Appartment für sich und eine Türe zum
abschließen. Hier hat sie das was sie braucht: Sicherheit. Danach geht es bergauf, aber das ist eine andere Geschichte.
Das Buch hat mich sehr mitgerissen. Hat das Mädel gekämpft, hat das Mädel versucht auf sich aufmerksam zu machen.
Eine Nacht in einem Heim und sie sagt sofort, ich möchte hier bleiben. Warum hört da denn niemand hin? Das ist für mich
unbegreiflich. Kein Wunder das Missbrauch und Gewalt an der Tagesordnung sind, wenn einem eh niemand glaubt.
Das sie sich ihrem Vater zum Schluß entgegenstellt, das sie all ihren Mut zusammen nimmt und gegen ihn kämpft, für ihr Recht,
das bewundere ich sehr. Ein tolles Buch das uns lernen soll hinzuhören, hinzusehen und bei Bedarf auch einfach mal zu handeln.
Meine Lieblingsstelle, eine kleine kindliche Rache an dem blöden Onkel "Dieter", nachdem er ihr mal wieder seine Zunge einfach so
in den Hals gesteckt hat: "Irgendwann fiel mein Blick auf Onkel Dieters Zahnbürste. Wut kochte in mir hoch. Ich zögerte nur kurz,
dann griff ich entschlossen nach der Zahnbürste und hielt sie in die Toilette. Ich erschrak fast ein bisschen vor mir selbst, als ich
mit dem Bürstenkopf gemüsslich über die von Urinspritzern überzogene Keramik des Toilettenrandes fuhr. Anschließend legte ich die
Zahnbürste zurück an ihren Platz und fühlte mich ein ganz kleines bisschen weniger hilflos"
Ich habe es ihm so gegönnt, diesem Drecksack. Ein kleines Mädchen verliert die Mutter und statt Hilfe erfährt sie nur noch Gewalt
und Missbrauch. Das ganze Buch hindurch habe ich mitgelitten und bin froh das es Svenja heute so gut geht. Abgesehen von den dunklen
Schatten der Vergangenheit. Ich hoffe die Peiniger haben, egal wie, auch noch ihren Dreck abbekommen.
Erschienen bei luebbe unter ISBN: 9783404609635