Die Zeit mit dir, Brenda Avadian
Brenda ist die jüngste Tochter von Mardig, er wohnt in Milwaukee und sie lebt mit ihrem Mann in Kalifornien.
Sie hat noch 2 Geschwister die in der Nähe, bzw bei ihrem Vater leben. Der Sohn hat das Haus nie verlassen.
Ihre Mutter stirbt 1993 und Vater Mardig fängt langsam an zu halluzinieren. Das merkt ihr Mann David, der ihn
besucht. Brenda und David sind in ihren Berufen angespannt und haben wenig Zeit, aber es muß was geschehen.
Darum fährt Brenda im August 1997 zu ihrem Vater. Das Haus ist runtergekommen, wild durcheinander, der Vater
duscht sich nicht mehr, es riecht streng. Der Sohn, der dort lebt kümmert sich um nichts. Die Schwester schimpft
nur rum und kümmert sich ebenso wenig. Nach einigem Hin und her beschließt Brenda mit David das ihr Vater zu ihnen
ziehen soll, ins weit entfernte Kalifornien. Bei einem Arztbesuch erfahren die beiden das Mardig Alzheimer hat.
Nach und nach verliert er sein Gedächtnis. Bevor dies passiert gibt er Brenda jedoch Vollmachten sich um alles
zu kümmern. Sie finden Wertpapiere und Konten, alles muß erledigt werden. Das Haus ist voller Papiere und Krimskrams.
Als die Krankheit fortschreitet beschließen sie das Haus zu verkaufen. Die Pflege des Vaters muß bezahlt werden.
Er gewöhnt sich an sein neues zu Hause, aber mit der Zeit schleicht er nachts durchs Haus, hält alle wach,
redet mit seinem Spiegelbild und stellt immer wieder die Frage: "Wo sind meine Schuhe?". Die Avadians sind es
gewohnt die Schuhe auszuziehen, Mardig nicht. Diese Kleinigkeit bringt viel Ärger mit sich. Irgendwann geht es
nicht mehr und Mardig muß in ein Pflegeheim. Die Entscheidung fällt Brenda nicht leicht, aber im Endeffekt ist
es genau die richtige Entscheidung. Wenn auch einige Hindernisse zu überbrücken sind. Mardig ist wenige Zeit später
in seinem Heim "zu Hause".
Das Buch ist ein Zuspruch und ein Trost für Menschen, die Angehörige mit Alzheimer haben. Sie sind nicht alleine.
Brenda ist in einer Selbsthilfegruppe, das ist ein wichtiger Trost für sie. Sie lernt ihren Vater so zu akzeptieren
wie er ist. Irgendwann erkennt er sie nicht mehr. Für andere eine furchtbare Situation, für Brenda und ihren Mann
normal. Er ist halt so. Ich finde es toll das sie ihren Vater so annimmt, so annehmen kann. Das war sicher nicht
einfach und ist nicht für jeden machbar. Sie geht die Stufen einer Tagespflege bis hin zum Heim durch. Gedanklich
mit Selbstzweifeln und Vorwürfen, aber es stellt sich heraus das es richtig ist. Alzheimer Patienten brauchen
Sicherheit. Sicherheit bekommt man, wenn man Dinge bejaht die evtl auch nicht so stimmen. Dann haben diese Menschen
ein zufriedenes Leben in ihrer kleinen Welt. Das habe ich persönlich auch diesem Buch gelernt.
Ob man es in der Situation beherzigen kann, das weiß natürlich niemand.
Leseratten die Bücher aus der Reihe Erfahrungen mögen, dieses Buch ist wunderbar und herzlich geschrieben.
Man spürt die Liebe zum Vater und wird auf eine Reise in eine andere Welt mitgenommen. Die Autorin versucht
immer ihr Gegenüber zu verstehen, zwar schreibt auch sie manchmal wie fertig sie war, aber das Hauptmerk liegt
hier beim Vater, bei dem Erkrankten. Und das hat mir sehr gut gefallen. Kein Selbstmitleid, sondern Offenheit und
Wärme. Bastei Lübbe, ISBN: 3-404-61473-9